Pressemitteilung, 25.04.2022

Veröffentlichung der Wasserstoff-Roadmap Bayern: Übergabe durch H2.B-Vorstände Prof. Grimm und Prof. Wasserscheid an Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger

NÜRNBERG – Das Zentrum Wasserstoff.Bayern (H2.B) hat erstmals eine Roadmap zum Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft im Freistaat veröffentlicht. Darin wird der rasch wachsende Bedarf nach dem klimafreundlichen Energieträger und die notwendige Wasserstoffpipeline-Infrastruktur kalkuliert.

Bayerns Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger nannte die Wasserstoff-Roadmap bei der Präsentation in Nürnberg einen “hervorragenden Impuls für den klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft”. Der Staatsminister hatte das H2.B vor drei Jahren gegründet, die Bayerische Wasserstoffstrategie 2020 initiiert und sich auch erfolgreich für das nationale Wasserstoff-Anwenderzentrum (WTAZ) in Pfeffenhausen (Niederbayern) eingesetzt.

Aiwanger: “Wasserstoff ist der wichtigste Energieträger der nahen Zukunft. Durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine müssen wir noch mehr Tempo machen, um unsere Wirtschaft und den Verkehr auf Wasserstoff umzustellen. Nur mit Wasserstoff und einem raschen Ausbau der Infrastruktur werden wir die fossilen Energien ersetzen und unseren Energiebedarf klimafreundlich decken können.” Der Energieminister plant Mitte Juni, Norwegen und Schottland mit dem Ziel zu besuchen, Partnerschaften für die Produktion und Lieferung von grünem Wasserstoff zu vereinbaren.

Die Wasserstoff-Roadmap stellten die H2.B-Vorstände Professor Dr. Veronika Grimm und Professor Dr. Peter Wasserscheid im Deutschen Museum Nürnberg („Zukunftsmuseum“) vor.

Die Kernpunkte:

  • Der kumulierte Bedarf von Wasserstoff und Syntheseprodukten (wie Synfuels) in Bayern könnte von 5 Terrawattstunden (TWh) in 2020 auf etwa 33 bis 75 TWh in 2040 steigen.
  • Um den schnell ansteigenden Wasserstoffbedarf decken zu können, wird Bayern bereits mittelfristig auf den Import von Wasserstoff und H2-Derivaten angewiesen sein.
  • Wichtig ist ein rascher Anschluss Bayerns an die (inter-)nationale Wasserstoffpipeline-Infrastruktur. Zunächst war dies erst um 2035 geplant. Inzwischen ist ein beschleunigter Anschluss bis 2030 erforderlich.
  • Die notwendige Elektrolyseleistung zur Herstellung von Wasserstoff in Bayern ist stark abhängig von der Geschwindigkeit des Anschlusses an die Wasserstoffpipelines. Im Falle einer Anbindung bis 2030 ist eine jährliche Leistung von 0,3 bis 1,7 Gigawatt jährlich nötig. Kommt der Anschluss erst 2035, sind nach den Berechnungen drei bis zehn Gigawatt erforderlich.
  • Bis 2025 sollen in Bayern mindestens 300 MW Elektrolyseleistung installiert werden, bis 2030 mindestens ein GW.
  • Bis 2025 sollen 500 Wasserstoffbusse im Öffentlichen Personennahverkehr Bayerns fahren und 500 H2-Lkw.
  • Es wird bis 2025 eine weitflächige Etablierung von Wasserstofftankstellen angestrebt.
  • Bis 2030 wird ein breiter Einsatz von Wasserstoff zur Prozesswärmebereitstellung in der bayerischen Industrie erwartet.
  • Zudem wird bis 2030 mit einem flächendeckenden Einsatz von Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung auf Wasserstoffbasis für die dezentrale Strom- und Wärmeversorgung gerechnet.
  • Der Einsatz von H2 im Mobilitätssektor wird bis 2030 zunehmen.

Nach Einschätzung der Experten ist die Transformation der globalen Volkswirtschaften hin zur Klimaneutralität mit großen Chancen für die exportorientierte bayerische Wirtschaft verbunden. Aktuelle Stärken liegen bei Anlagen zur Wasserstofferzeugung, der Herstellung von Armaturen und Verbindungselementen sowie Systemen zur Wasserstofflogistik. Besonders im Bereich der Elektrolysetechnologie und der (chemischen) Wasserstoffspeicherung (LOHC) und -konversion ist Bayern sehr gut aufgestellt. Diese gute Position soll weiter gestärkt und ausgebaut werden.

Professor Dr. Veronika Grimm, Co-Vorständin des H2.B, erklärte: „Mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine muss die Unabhängigkeit von russischen Energieträgern sehr zeitnah erreicht werden. Damit wird auch die Wasserstoffwirtschaft in Deutschland schneller an Bedeutung gewinnen müssen. Die Wasserstoff-Roadmap Bayern zeigt wichtige Meilensteine auf, die eher eine Untergrenze für das notwendige Tempo des Hochlaufs der Wasserstoffwirtschaft sind. Besonders entscheidend ist die schnellstmögliche Anbindung Bayerns an eine belastbare Wasserstoffinfrastruktur.“

Marion Grether, Direktorin des Deutschen Museums Nürnberg und Gastgeberin des Presse-Events anlässlich der Veröffentlichung der Wasserstoff-Roadmap, sagte: „Im Zukunftsmuseum Nürnberg diskutieren wir intensiv über die Technologien der Zukunft. An dem Thema Wasserstoff führt absolut kein Weg vorbei, das spüren wir in den Gesprächen die wir führen immer wieder. Umso mehr freut es mich, dass im Deutschen Museum Nürnberg heute die zukunftsweisende Wasserstoff-Roadmap an Herrn Wirtschaftsminister Aiwanger überreicht werden konnte und freue mich auf künftige konstruktive Zusammenarbeit mit dem Staatsministerium und dem Zentrum Wasserstoff.Bayern (H2.B) hier vor Ort.“

Link zur Roadmap

Hintergrund-Informationen zur Roadmap

 Über das Zentrum Wasserstoff.Bayern (H2.B):

Das Zentrum Wasserstoff.Bayern (H2.B) ist eine vom Freistaat Bayern initiierte und finanzierte Strategie- und Koordinationsstelle für wasserstoffbezogene Themen und Aktivitäten in Bayern. Das Zentrum agiert dabei an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit im nationalen und zunehmend auch im internationalen Kontext. Darüber hinaus koordiniert das H2.B das Wasserstoffbündnis Bayern.

Bildquellen: H2.B/ Giulia Iannicelli, StMWi/ E. Neureuther

Pressekontakt

Sarah Weinecke

Referentin Öffentlichkeitsarbeit

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