Fortschrittsbericht
zum Wasserstoffhochlauf in Bayern
Der Fortschrittsbericht zum Wasserstoffhochlauf in Bayern greift die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen sowie den Stand laufender Initiativen und Projekte in Bayern auf und zeigt Maßnahmen auf, um die Ziele der 2024 durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie veröffentlichten Wasserstoffstrategie 2.0 zu erreichen.
Der Bericht liefert eine Bestandsaufnahme der Fortschritte von Wasserstoffinitiativen und -projekten in Bayern, die zeigen: Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Bayern ist in Gange. Gleichzeitig wird deutlich, dass sich der Wasserstoffhochlauf seit 2022 in einem komplexen und dynamischen Markt- und Regulierungsumfeld langsamer entwickelt als ursprünglich angenommen. Maßgebliche Ursachen sind insbesondere hohe Kosten, Unsicherheiten bei den wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen, hohe regulatorische Hürden, verzögerte Infrastrukturentwicklungen und – daraus resultierend – eine bislang begrenzte Nachfrage. Erkenntnisse aus einem Konsultationsprozess zur Identifikation wesentlicher Handlungsfelder für den weiteren Hochlauf flossen bei der Erarbeitung des Fortschrittsberichts ein. Partner im Wasserstoffbündnis Bayern und bayerische Wasserstoffregionen konnten so Ihre Perspektiven einbringen. Das H2.B hat anschließend Maßnahmen für einen nachhaltig erfolgreichen Wasserstoffhochlauf entwickelt, welche verschiedene Akteure und Ebenen adressieren. Abschließend werden weitere Entwicklungen und Prognosen kommentiert sowie technologische Anwendungspotenziale für Wasserstoff in Bayern dargestellt.
Der Fortschrittsbericht wurde am 24. Juni 2026 dem Bayerischen Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie übergeben.

Kurzzusammenfassung
Bayern verfügt über gute Voraussetzungen, um im Wasserstoffbereich eine führende Rolle einzunehmen. Hierzu zählen insbesondere die starke industrielle Basis, eine leistungsfähige und innovationsstarke Forschungs- und Entwicklungslandschaft, zahlreiche engagierte regionale Initiativen sowie mit dem H2.B und dem Wasserstoffbündnis Bayern eine national und international etablierte Plattform für das bayerische Wasserstoffökosystem.
Der vorliegende Fortschrittsbericht zeigt, dass sich der Wasserstoffhochlauf insgesamt seit der Roadmap 2022 in einem komplexen und dynamischen Markt- und Regulierungsumfeld langsamer entwickelt als ursprünglich angenommen. Maßgebliche Ursachen sind insbesondere hohe Kosten, Unsicherheiten bei den wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen, hohe regulatorische Hürden, verzögerte Infrastrukturentwicklungen und – daraus resultierend – eine bislang begrenzte Nachfrage. Zugleich wurden jedoch wichtige Grundlagen geschaffen und zentrale Weichen für die nächsten Umsetzungsphasen erfolgreich gestellt.
In den letzten Jahren sind auf europäischer, nationaler und bayerischer Ebene wesentliche politische und regulatorische Rahmenbedingungen geschaffen worden. Bayern begleitet diese Entwicklungen durch eigene Fördermaßnahmen in Höhe von 255 Millionen Euro für Wasserstofftankstellen, Elektrolyseure und künftig Wasserstoff-Nutzfahrzeuge. Damit wurden wichtige Voraussetzungen für den weiteren Markthochlauf geschaffen. So wurden 24 Förderbescheide für Elektrolyseprojekte mit einer Gesamtleistung von 143 MWel sowie 29 Förderbescheide für Wasserstofftankstellen vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie bewilligt. Der Freistaat fördert zudem eine Vielzahl von Forschungs- und Entwicklungsprojekten entlang der gesamten Wasserstoffwertschöpfungskette.
Von zentraler strategischer Bedeutung ist das genehmigte Wasserstoff- Kernnetz in Deutschland, welches rund 1.050 Kilometer Leitungsinfrastruktur in Bayern umfasst. Mit den geplanten Inbetriebnahmen erster Abschnitte in den kommenden beiden Jahren entstehen wesentliche Voraussetzungen für eine über- regionale Versorgung. Hinzu kommen Fortschritte bei der Entwicklung von Verteilnetzen, dem Aufbau von regionalen Ökosystemen, Speicherprojekten sowie Pilot- und Demonstrationsvorhaben in Industrie, Mobilität und Wärme.
Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Vorhaben auf verlässlichere und an die momentanen Gegebenheiten angepassten Rahmenbedingungen sowie zusätzliche wirtschaftliche Impulse angewiesen sind. Im Austausch mit bayerischen Akteuren entlang der Wasserstoffwertschöpfungskette im Rahmen eines Stakeholderdialogs wurde die Bedeutung von Wasserstoff für die Dekarbonisierung hervorgehoben – insbesondere in solchen Anwendungsfeldern, in denen direkte Elektrifizierung an Grenzen stößt. Zugleich wird deutlich, dass ein erfolgreicher Hochlauf die koordinierte Entwicklung von Erzeugung, Infrastruktur, Importen, Speicherung und Nachfrage voraussetzt. Im Mittelpunkt stehen dabei vier Handlungsfelder: Eine ganzheitliche, integrierende Betrachtung der Energiewende; der Ausbau von Transport-, Verteil-, Import und Speicherinfrastruktur; die Verbesserung von Wirtschaftlichkeit und Investitionssicherheit; sowie die Stärkung von Resilienz durch Diversifizierung, regionale Wertschöpfung und technologische Offenheit.
Aus dem Bericht ergibt sich damit ein klarer Handlungsbedarf für die kommenden Jahre. Erforderlich sind verlässliche und zweckdienliche politische und regulatorische Rahmenbedingungen, der beschleunigte Ausbau von Kernnetz, Verteilnetzen und Speichern, der Aufbau tragfähiger Importstrukturen sowie eine stärkere Marktaktivierung auf der Nachfrageseite. Hinzu kommt die weitere Unterstützung von Forschung und Innovation, die Stärkung regionaler Wasserstoffhubs, die Fachkräfteentwicklung sowie eine engere Verzahnung von Wasserstoff-, Strom- und Kohlenstoffdioxid-Infrastruktur. Bayern hat die Chance, seine technologische Spitzenstellung nicht nur zu sichern, sondern im Zuge des europäischen Wasserstoffhochlaufs weiter auszubauen. Entscheidend wird dafür sein, die bereits geschaffenen Grundlagen nun schrittweise in eine belastbare Markt- und Infrastrukturentwicklung zu überführen.
Abbildungen / Übersichten:
Wesentliche Handlungsbedarfe
Wesentliche Handlungsbedarfe
Vom Positionspapier bis zum Fortschrittsbericht zum Wasserstoffhochlauf in Bayern
Mit der Veröffentlichung des Positionspapiers des Wasserstoffbündnis Bayern zur bayerischen Wasserstoffwirtschaft und der Bayerischen Wasserstoffstrategie im Mai 2020 wurde eine erste Perspektive für die Entwicklung und Ausgestaltung einer bayerischen Wasserstoffwirtschaft aufgezeigt. Die Wasserstoff-Roadmap Bayern griff diese Impulse auf und zeichnete ein zukünftiges Bild des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandortes Bayern in Bezug auf Wasserstoff, gab eine Abschätzung möglicher Wasserstoffverbräuche in Bayern und skizzierte, daraus abgeleitet, wichtige Meilensteine für den Rollout von Wasserstofftechnologien. 2024 veröffentlichte der Freistaats Bayern die Bayerische Wasserstoffstrategie 2.0 als Teilstrategie des Energieplan Bayern 2040.





